Verbraucherinsolvenzverfahren – Was Sie als Schuldner wissen müssen!

von Tino Richter

Wie der Focus berichtet, ist die Anzahl der Insolvenzverfahren in Bayern in der ersten Hälfte des Jahres 2015 um 8,2 % gesunken. Insgesamt wurden 7166 Insolvenzverfahren beantragt. Davon sind 4067  Verbraucherinsolvenzverfahren und 1437 Regelinsolvenzverfahren.

Doch was ist der genaue Unterschied zwischen einem Verbraucherinsolvenzverfahren und einem Regelinsolvenzverfahren, welche Bedeutung hat das für Schuldner und wie läuft so ein Verfahren ab?

Verbraucherinsolvenzverfahren vs. Regelinsolvenzverfahren

Das Verbraucherinsolvenzverfahren, auch Privatinsolvenzverfahren genannt, ist ein vereinfachtes Insolvenzverfahren für natürliche Personen, d.h. für Privatpersonen.

Das Verbraucherinsolvenzverfahren wird auch angewendet bei ehemals Selbstständigen, die weniger als 20 Gläubiger und keine Verbindlichkeiten aus Beschäftigungsverhältnissen mit Arbeitnehmern haben.

Bei Selbstständigen und ehemals Selbstständigen mit unübersichtlichen Vermögensverhältnissen wird das Regelinsolvenzverfahren angewendet.

Welche Bedeutung hat das Verbraucherinsolvenzverfahren für Schuldner?

Für zahlungsunfähige Schuldner oder solche, denen die Zahlungsunfähigkeit droht, bietet das Verbraucherinsolvenzverfahren in erster Linie die Chance auf einen wirtschaftlichen und persönlichen Neuanfang!

Verbraucherinsolvenzverfahren

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Doch diese Chance muss der Schuldner sich erst einmal verdienen: Zunächst muss er soviel wie möglich von seinen Schulden tilgen.

Das bereits vorhandene pfändbare Vermögen, sowie der pfändbare Anteil des Einkommens in den darauffolgenden 3-6 Jahren werden an einen Treuhänder abgeführt und an die Gläubiger verteilt.

Wie viel der Schuldner während des Verfahrens von seinem Einkommen behalten darf, ist in der Pfändungstabelle festgelegt. Dadurch wird das Existenzminimum für den Schuldner und seine Familie gesichert. Nach Abschluss des Verfahrens kann der Schuldner sich auf eine Befreiung von den verbliebenen Schulden freuen!

In einigen Fällen bleibt dem Schuldner dank des Verbraucherinsolvenzverfahrens sogar mehr, da ohne ein solches Verfahren oft mehr Zahlungen geleistet werden, als eigentlich Einkommen pfändbar ist.

Der Ablauf eines Verbraucherinsolvenzverfahrens

Bevor es zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens kommt, hat der Schuldner zwei Möglichkeiten, seine Schulden anderweitig loszuwerden: den außergerichtliche Schuldenbereinigungsplan oder – wenn dieser scheitert – das gerichtliche Schuldenbereinigungsverfahren.

Um diesen Weg zu bestreiten, stellt der Schuldner einen Plan zur Tilgung seiner Schulden auf. Wenn alle Gläubiger diesem Plan zustimmen, ist der Fall gelöst. Sollten nicht alle Gläubiger zustimmen, der Plan scheint jedoch erfolgsversprechend zu sein, schaltet sich das Gericht ein.

Wenn mehr als die Hälfte der Gläubiger dem Plan zugestimmt haben, kann das Gericht die Zustimmung der verbliebenen Gläubiger ersetzen. Voraussetzung für diese Vorgehensweise ist jedoch, dass eine geeignete Stelle wie z.B. eine Schuldnerberatung das Scheitern der außergerichtlichen Einigung bestätigt.

Sollten sowohl die außergerichtliche, als auch die gerichtliche Schuldenbereinigung scheitern, folgt das vereinfachte Insolvenzverfahren:

  • Zu Beginn des Verfahrens wird das pfändbare Vermögen des Schuldners von einem Treuhänder verwertet und nach Abzug der Verfahrenskosten auf die Gläubiger aufgeteilt.
  • Jetzt kann der Schuldner die bereits erwähnte Restschuldbefreiung beantragen.
  • Nachdem der Restschuldbefreiung zugestimmt wurde, kommt es im nächsten Schritt zur Wohlverhaltensphase. In dieser Phase muss der Schuldner eine Reihe von Auflagen erfüllen. In der Wohlverhaltensphase, die zwischen 3 und 6 Jahren dauert, darf der Schuldner nur soviel Geld aus seinem Einkommen behalten, wie zur Absicherung seines Existenzminimums benötigt wird.
  • Am Ende der Wohlverhaltensphase kommt es zur Restschuldbefreiung. Alle bis dahin noch offenen Forderungen der Gläubiger werden dem Schuldner zu diesem Zeitpunkt erlassen. Die Gläubiger haben also keinen Anspruch mehr auf die Forderungen aus der Vergangenheit.

Nach Abschluss des Verbraucherinsolvenzverfahrens ist der Schuldner somit wieder schuldenfrei. Außerdem darf der Schuldner nun wieder frei über sein gesamtes Einkommen verfügen!

Falls Sie weitere Fragen zum Thema haben oder eine Beratung benötigen, scheuen Sie nicht, mich unter 089/85635744 kostenlos anzurufen oder schreiben Sie eine E-Mail an info@schuldnerberatung-richter.de.

Ich freue mich auf Ihren Anruf!

 

Quelle: Focus

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