Lohnpfändung – Das müssen Arbeitnehmer mit Schulden wissen

von Tino Richter

Wenn Sie Schulden haben und die Forderungen Ihrer Gläubiger nicht mehr bedienen können, kann es zu einer Lohnpfändung kommen. Doch keine Angst: Ganz gleich, wie hoch die Schulden ausfallen, es besteht niemals die Gefahr, dass das gesamte Einkommen gepfändet wird!

Denn jeder Schuldner muss seinen Lebensunterhalt weiterhin bestreiten und seinen Verpflichtungen wie Miet- und Unterhalszahlungen nachkommen können.

Die Lohnpfändung ist in der Zivilprozessordnung geregelt und vergleichbar mit einer Zwangsvollstreckung.

Verfügt ein Gläubiger über einen vollstreckbaren Titel in Form eines Urteils oder eines Vollstreckungsbescheids, kann er sich direkt an Ihren Arbeitgeber wenden, wenn Sie die ausstehenden Forderungen nicht mehr begleichen können. Der Arbeitgeber tritt als Drittschuldner in das Schuldverhältnis ein.

Pfändungsuntergrenzen bestimmen die Lohnpfändung

Mit Hilfe von sogenannten Pfändungstabellen ermittelt die Zivilprozessordnung, in welcher Höhe der Lohn des Arbeitnehmers pfändbar ist. Die Pfändungsuntergrenze liegt derzeit bei 1.139,99 Euro im Monat.

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Bei Verpflichtungen gegenüber unterhaltspflichtigen Personen erhöht sich der Pfändungsfreibeitrag.

Die Höhe des Pfändungsbetrages ist von der Höhe des Einkommens und den weiteren Verpflichtungen des Arbeitnehmers, zum Beispiel Unterhaltungszahlungen, abhängig.

Bestimmte Teile des Einkommens wie Gefahrenzulagen, Urlaubsgeld und Spesen sind von der Pfändung ausgenommen.

Weihnachtsgeld ist bis zu einem Betrag von 500 Euro unpfändbar und Einkünfte aus Überstunden bis zu 50 Prozent. Auch Abfindungssummen sind teilweise vor der Pfändung geschützt. In diesem Fall tritt der Pfändungsschutz allerdings nicht automatisch ein, sondern muss gemäß § 850 ZPO bei Gericht beantragt werden.

Wer bekommt was bei einer Lohnpfändung?

Haben mehrere Gläubiger Forderungen gegen Sie, gilt ein ganz einfaches Prinzip: „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Diese Regel bedeutet, dass der Gläubiger, dessen Pfändungsbeschluss zuerst zugestellt wird, das Anrecht auf den gesamten pfändbaren Einkommensteil des Schuldners hat.

Erst, wenn die Forderungen des ersten Gläubigers komplett beglichen sind, rückt der nächste Gläubiger nach und hat nun seinerseits ein Vorrecht vor weiteren Gläubigern.

Sonderfall Unterhaltsforderungen

Unterhaltsforderungen bilden einen Sonderfall, sind jedoch nicht automatisch vorzugsberechtigt. Forderungen aus Unterhaltszahlungen betreffen den Unterhalt von Kindern, Ehegatten und Eltern. Auch diese unterhaltsberechtigten Personen müssen wie alle anderen Gläubiger abwarten, bis ihre Forderungen an die Reihe kommen.

Allerdings besteht in diesem Fall ein geringerer Pfändungsschutz als bei regulären Gläubigern. Unterhaltberechtigte Personen brauchen einen speziellen Vollstreckungsbeschluss, um Zahlungen aus dem unpfändbaren Einkommensteil des Schuldners zu erhalten.

In diesem Fall müssen Sie sich mit wesentlich weniger Einkommen begnügen, denn der Pfändungsbetrag wird nicht auf der Grundlage der Pfändungstabelle, sondern individuell festgelegt.

Information an den Arbeitgeber als Drittschuldner

Es ist immer besser, wenn Sie Ihren Arbeitgeber rechtzeitig informieren, als wenn er erst durch den in der Personalabteilung eingehenden Vollstreckungsbescheid von Ihrer Situation erfährt. Die Personalsachbearbeiter müssen alle Schritte in die Wege leiten, damit die Pfändung Ihres Einkommens reibungslos abläuft und die Gläubiger ihr Geld erhalten.

Um den pfändbaren Einkommensteil zu ermitteln, ziehen die Personalsachbearbeiter nicht nur die Pfändungstabelle heran, sondern auch Ihre Personalakte, aus der alle pfändungsrelevanten Daten wie Steuerklasse und Kinderfreibeträge hervorgehen.

Ihre Mitwirkung sollte umfassend sein, denn der pfändbare Betrag des Einkommens hängt auch von Unterhaltsverpflichtungen ab, die nicht aus Ihrer Personalakte hervorgehen. Hierzu gehören Zahlungsverpflichtungen für pflegebedürftige Eltern, unterhaltsberechtigte Kinder und Ehegatten.

Diese Zahlungsverpflichtungen reduzieren den pfändbaren Teil Ihres Einkommens. Die Überprüfung der Lohnabrechnung ist auf jedem Fall sinnvoll, um festzustellen, ob die Höhe des gepfändeten Einkommens richtig berechnet wurde.

Fazit

Kein Arbeitnehmer muss sich Sorgen machen, dass im Fall einer Lohnpfändung die Existenz zerstört wird, denn Sie haben immer ein Anrecht darauf, Ihren Lebensunterhalt sicher zu bestreiten. Dieser wird als pfändungsrechtliches Existenzminimum bezeichnet.

Außerdem ist diese Ausnahmesituation kein Kündigungsgrund. Sie sollten Ihren Arbeitgeber rechtzeitig informieren und ihm signalisieren, dass Sie Ihrer Arbeit auch weiterhin motiviert nachgehen und aktiv an der Lösung Ihrer Geldprobleme arbeiten.

Haben Sie weitere Fragen zum Thema Lohnpfändung oder benötigen Hilfe durch eine Schuldnerbertaung? Dann rufen Sie uns an unter  oder schreiben Sie eine E-Mail an info@schuldnerberatung-richter.de. Wir helfen Ihnen gerne!

 

Bildquellennachweis: Andreas Gruhl – fotolia.de

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