Die Pfändungsgrenze ändert sich 2017 – die wichtigsten Informationen

von Tino Richter

Falls Sie schon in der Privatinsolvenz leben oder diese kurz bevor steht, gibt es eine gute Nachricht für Sie: Zum 1. Juli 2017 ist eine Anpassung der Pfändungsgrenze nach oben vorgenommen worden! Es verbleibt Ihnen daher monatlich mehr Geld.

Die neue Regelung ist vom 1. Juli 2017 bis zum 30. Juni 2019 anzuwenden. Aus der Pfändungstabelle können die jeweils aktuellen Pfändungsfreibeträge unmittelbar abgelesen werden. Sie können anhand der Übersicht feststellen, welcher Einkommensteil überhaupt einer Pfändung unterliegen darf. So schützen Sie sich vor dem unbefugten Zugriff durch Dritte.

Warum gibt es eine Pfändungsgrenze?

Es wäre ungerecht, wenn ein Schuldner mit einem monatlichen Nettoeinkommen von 1.200 Euro denselben Betrag an den Gläubiger leisten müsste wie ein Schuldner mit einem Einkommen von 3.000 Euro pro Monat.

Daher werden die Pfändungsbeträge gestaffelt, um den Betroffenen finanziell nicht zu überfordern. Der pfändbare Betrag ist hingegen nicht nur vom Nettolohn abhängig, sondern auch von der Anzahl der Personen, für die der Schuldner Unterhalt zahlen muss.

Wer beispielsweise einem Kind zum Unterhalt verpflichtet ist, muss dieser Pflicht wirtschaftlich auch nachkommen können. Es bringt absolut nichts, den Betroffenen finanziell zu ruinieren.

Schuldnern steht künftig mehr Geld vom Nettolohn zu

Wer sich in der Privatinsolvenz befindet, durchlebt ohnehin eine sehr schwierige Zeit. Sämtliche Einkommensquellen müssen den Gläubigern stets mitgeteilt werden, wobei über jede Veränderung unverzüglich in Kenntnis zu setzen ist.

Mit der Neuregulierung der Pfändungsgrenze ab dem 01. Juli 2017 wird der Pfändungsfreibetrag um 60 € erhöht. Die allgemein angestiegenen Preise zur Erhaltung der Lebensqualität stellen wohl den Hauptgrund für die scheinbar großzügige Korrektur dar.

Die Pfändungsgrenze schützt Ihr Existenzminimum.

Die Pfändungsgrenze schützt Ihr Existenzminimum. Infos unter .

Die Pfändungstabelle verfolgt den Sinn und Zweck, dem Schuldner das Existenzminimum zu erhalten.

An den monatlichen Kosten für Miete, Strom und Essen kann nicht gespart werden, sodass dem Schuldner die Deckung dieser Ausgaben möglich sein muss.

Nach der gesetzlichen Intention wird die Pfändungstabelle alle zwei Jahre an die Lebenshaltungskosten angepasst.

Die nächste Anpassung findet daher spätestens zum 01. Juli 2019 statt.

Allerdings ist der Gesetzgeber nicht gezwungen, den Zweijahresrhytmus kontinuierlich einzuhalten. Vielmehr kann es auch sein, dass er zum 01. Juli 2018 eine Korrektur vornehmen wird.

Ein Anspruch darauf besteht aber nicht. Allerdings sollten Sie, falls Sie sich in der Privatinsolvenz befinden, diese möglichen Entwicklung im kommenden Jahr im Hinterkopf behalten.

Was bedeutet die Neuregulierung für mich persönlich?

Die Höhe der monatlichen Pfändungen hängt nach wie vor vom erwirtschafteten Nettoeinkommen ab. Bis zum 01. Juli 2017 lag die Pfändungsgrenze bei knapp 1.080 Euro. Durch die aktuelle Anpassung wird die Grenze auf 1.140 Euro angehoben.

Liegt ihr monatliches Nettoeinkommen unter diesem Betrag, kann nicht darauf zugegriffen werden. Ihnen verbleibt damit das komplette Einkommen. Ab 1.140 Euro sind Sie allerdings dazu verpflichtet, den pfändbaren Betrag zu leisten. Dieser liegt bei einem Schuldner, der nicht zum Unterhalt verpflichtet ist, bei mindestens 4,34 Euro.

Die Staffelung der Pfändungstabelle erfolgt auch künftig in Zehnerschritten. Das bedeutet, dass der pfändbare Anteil bei 1.150 Euro höher liegt, nämlich bei 11,34 Euro. Pro zehn Euro höherem Einkommen steigt der Pfändungsbetrag um genau sieben Euro.

Das maximale Einkommen der aktuellen Tabelle beträgt 3.479,99 Euro. Bei einem nicht unterhaltspflichtigen Schuldner liegt der zu zahlende Betrag in diesem Fall bei 1.635,34 Euro. Verdienen sie möglicherweise mehr als 3.480 Euro pro Monat, müssen Sie den Überschuss vollständig an den Gläubiger abführen.

Vielleicht sind Sie einem Familienangehörigen gegenüber zur Zahlung von Unterhalt verpflichtet. In diesem Fall liegt die Pfändungsfreigrenze nicht bei 1.140 Euro, sondern beträgt 1.570 Euro, bei zwei Unterhaltsverpflichtungen bei 1.800 Euro und so weiter. Dadurch stellt der Staat sicher, dass Sie der Verpflichtung auch weiterhin nachkommen können.

Die Pfändungstabelle richtig lesen

Damit Sie sich selbst ein Bild davon machen können, welche finanzielle Belastung in Zukunft auf Sie zukommen wird, ist es unerlässlich, die Pfändungstabelle richtig zu lesen. In der linken Spalte wird das monatliche Nettoeinkommen in Zehn-Euro-Schritten dargestellt.

Die oberen Spalten stehen für die Anzahl der Personen, denen der Schuldner gegenüber zum Unterhalt verpflichtet ist. Sie suchen daher zunächst die Spalte, in der ihr Nettoeinkommen liegt. Sodann wechseln Sie in die Zeile, die die Anzahl der unterhaltsberechtigten Personen regelt.

Beispiel Nr.1: Der Schuldner verdient pro Monat 2.000 Euro netto und ist keiner Person zum Unterhalt verpflichtet. Aus der Einkommenspalte ergibt sich daher, dass der pfändbare Betrag monatlich 606,34 Euro beträgt.

Beispiel Nr.2: Der einem Kind zum Unterhalt verpflichtete Schuldner verdient monatlich 1.650 Euro netto. Aus der Einkommenspalte geht hervor, dass er 361,34 Euro an den Gläubiger zahlen müsste, wenn er keine Unterhaltszahlungen leisten müsste. In diesem Beispiel reduziert sich der Betrag auf 44,75 Euro, um den Anspruch des Kindes nicht zu vereiteln.

Was es bei Konten auch zukünftig zu beachten gilt

Damit eine Kontopfändung auch an die Pfändungsgrenzen der neuen Tabelle 2017 angepasst wird, müssen Sie beim Amtsgericht einen entsprechenden Antrag stellen, damit die neuen Pfändungsgrenzen berücksichtigt werden. Das normale Girokonto kann in ein sogenanntes P-Konto (Pfändungsschutzkonto) umgewandelt werden.

Der Vorteil für Sie besteht darin, dass sie mit der Bank eine Vereinbarung treffen können. Für das Guthaben besteht dann Pfändungsschutz. Lassen Sie sich von einem Mitarbeiter Ihrer Bank keinesfalls wegschicken, bevor er die Umwandlung nicht vorgenommen hat. Sie haben bereits ein Girokonto, sodass Sie einen Anspruch auf die Umstellung haben.

Sollten Sie demgegenüber kein Girokonto bei der Bank haben, besteht der Anspruch nicht. Bitte beachten Sie, dass ausschließlich ein Einzelkonto in ein P-Konto umgewandelt werden kann. Das Vollstreckungsrecht ist auf die Rechte und Pflichten des Einzelnen bezogen.

Bei Unsicherheit ist fachkundige Hilfe ratsam

Möglicherweise haben Sie bei dem Zahlenwerk der Pfändungstabelle schlichtweg die Übersicht verloren. Vielleicht befinden Sie sich auch erst seit kurzem in der Privatinsolvenz und sind mit den ganzen Anforderungen, die an Sie gestellt werden, schlichtweg überfordert.

Der wichtigste Ratschlag ist, dass sie kein Geld verschenken sollten. Die Situation ist ohnehin schon schwierig genug. In diesem Fall sollten Sie sich keineswegs scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine umfassende Beratung und Zukunftsplanung zu erhalten. Dies gilt insbesondere auch für die Umwandlung eines Girokontos in ein P-Konto, was dringend erfolgen sollte.

Rufen Sie uns an unter  oder schreiben Sie eine E-Mail an info@schuldnerberatung-richter.de.

Bildquellennachweis: Finanzfoto – fotolia.de

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